Begleitung und ein offenes Ohr

Corona-Krise: Kinderschutzbund bietet Sorgentelefon an

Geschlossene Schulen und Kitas, gesperrte Spielplätze und Sportstätten sowie die Kontakteinschränkungen stellen Eltern und Kinder vor große Herausforderungen. Der Kinderschutzbund Kreisverband Ortenau will mit seinem Sorgentelefon Unterstützung und Rat anbieten.

Seit 23. März besteht die Möglichkeit, unter der Telefonnummer 07 81/433 38 mit Sorgen rund um die Corona-Krise auf offene Ohren zu stoßen. Die sechs Fachkräfte des Kreisverbands sind abwechselnd zur Stelle und kümmern sich um die Anliegen und Nöte der Anrufenden. Deren Zahl ist in den ersten zwei Wochen des Lockdowns angestiegen, in der Woche nach den Ostertagen sei es wieder ruhiger geworden, gibt Schreiner die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen weiter.

Zu 75 Prozent wählen Mütter und Großmütter die 433 38, Väter und Elternpaare machen je rund sieben Prozent aus – den Rest bilden Fachkräfte wie Erzieherinnen, berichtet die frühere Oberbürgermeisterin der Stadt Offenburg, die seit Frühjahr 2019 den Vorsitz der Einrichtung in der Hindenburgstraße innehat. „Wir waren ja immer schon Anlaufstelle für Kinder und Familien, doch in dieser Krisenzeit ist der Bedarf an Hilfe besonders groß.“ Wobei es häufig gar nicht so sehr um die großen Tipps gehe, sondern „einfach darum, da zu sein“. Die Leute, die zum Hörer greifen, wissen, dass sie es beim Kinderschutzbund mit kompetenten und zuverlässigen Gesprächspartnerinnen zu tun hätten. Und daher gebe es auch einige Anrufende, die die Nummer immer wieder wählten: „Diese Menschen wollen begleitet werden.“

Zwischen 17 und 75 Jahre alt seien diejenigen, die sich an den Kinderschutzbund werden. Es geht um Nachfragen zu den Verhaltensvorschriften bis hin zu Schilderungen häuslicher Gewalt. Großeltern machen sich Sorgen, dass es in den Familien ihrer Kinder eskalieren könnte, Eltern schildern die Nöte der Kleinen, die Angst um Mama und Papa haben und selbst befürchten, vom Virus heimgesucht zu werden. Spürbar werde eine große Unsicherheit, die zu Auseinandersetzungen führe und den Hausfrieden belaste. Zeit haben, zuhören und Rückhalt geben – das sei das A und O, versichert Schreiner, gerade weil derzeit zwischenmenschliche Kontakte nur sehr eingeschränkt möglich sind. Wenn die Mitarbeiterinnen dann doch einmal an einen Punkt gelangen, an dem sie nicht mehr weiterwissen, vermitteln sie an entsprechende Fachberatungsstellen, die Jugendhilfe des Kreises, die psychologischen Beratungsstellen der Ortenau oder, den Verein Aufschrei – Ortenauer Verein gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen e.V.

Der Kinderschutzbund Kreisverband Ortenau hat derzeit 136 Mitglieder und freut sich, wie deren Vorsitzende betont, über Spenden und neue Mitglieder.